DREHBÜHNE

Ist der Pianist eigentlich jemals zu sehen? Eher nicht. Denn entweder steht das Klavier dazwischen oder man sieht ihn nur von hinten – vielleicht bestenfalls von der Seite. Schade eigentlich. Tori Amos versucht dies zu kompensieren, indem sie zwei Pianos gegenüberstellt und bisweilen den Hocker wechselt. Bei Alexander Kraut ist das grundanders. Denn er steht auf einem runden Podest, welches sich dreht. Wer möchte, kann ganz und gar den Film geniessen. Das Drama, die Spannung, der Handlungsbogen wird perfekt unterstützt.

Aber wer an Musik interessiert ist, wird von Alexander Kraut vollkommen in seinen Bann gezogen, denn dies ist ein musikalischer Live-Act. Auf der Drehbühne bedient er abwechselnd und irgendwie auch gleichzeitig 12 Keyboards und man mag sich bisweilen wundern, wie virtuos Trommelwirbel den Fingern einer Hand so taktgenau ent­gleiten. Alles live. Und das groovt bisweilen ausserordentlich. Wer Spass an Live-Musik hat, sollte Alexander Kraut wenigstens einmal im Leben gesehen haben. Es mag nicht überraschen, dass dieser Musiker, der in L.A. Komposition studiert hat, sich in seiner Vergangenheit auch hochkomplexen DNS-Server-gesteuerten Netzwerktechniken erfolgreich widmen durfte. Denn man hat nicht nur das Gefühl, dabeisein zu dürfen, wenn jemand virtuos Klavier spielen, sondern auch, wie jemand überdies parallel erschreckend viele musikalische Ebenen denken kann. Ein Mann. Mehr als ein Orchester. Und so unglaublich live. Von Retorte nicht die Spur. Überhaupt nicht DJ. Just Sounds, Music und: Live-Piano.