STUMMFILM

Wenn sich Julian West als Allan Grey in Carl Theodor Dreyer’s Vampyr (1932) selbst im Sarg liegen sieht, die Bilder plötzlich rückwärts laufen, Schatten ein Eigenleben entwickeln, Filter aus Gaze vor der Kamera zu nicht nur für damalige Verhältnisse hochinnovativen Beleuchtungseffekten führen, dann werden wir durch die zeitgenössische musikalische Form nochmal auf ganz andere Weise an diese – in jeder Hinsicht – visuell erstklassigen Filmerlebnisse herangeführt.

Mit mehr als 20 LiveActs pro Jahr (u.a. Fusion Festival*) spielt Alexander Kraut seit 2004 zu den Klassikern der Stummfilmgeschichte. Ob er die noch in Deutschland produzierten Filme Friedrich Wilhelm Murnau’s Gang in die Nacht (1920), Phantom (1922) oder Tartüff (1925) begeitet, in dem Emil Jannings eine Rosa Valetti als intrigante Haushälterin entlarvt, oder ob er zu den Pionieren künstlerischer Filmproduktion spielt wie Max Reinhardt’s Die Insel der Seeligen (1913), in dem Gertrud Hackelberg und Lore Wagner mit Göttern und Fabelwesen konfrontiert und die Väter zu Schweine werden – Alexander Kraut ist musikalisch immer ganz am Film, im Tempo, an der Handlung. Die turbulenten Ereignisketten in Ernst Lubitsch’s Austernprinzessin (1919) oder Carl Theodor Dreyer’s Die Gezeichneten (1922), der in einem Russland zur Jahrhundertwende spielt mit einer Hanne-Liebe Segal, die ihr Heimatdorf verlassen muss und fortan um ihr Leben fürchtet – Alexander Kraut durfte, nein, musste zu Ihnen spielen.

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